Szenen mitten aus dem Leben, mitten aus der Stadt.

Strahlender Sonnenschein, eine Gruppe rüstiger Senioren betritt die Bühne.
Stimmengewirr, ein wenig Gelächter. Behäbig bewegt sich die Gruppe vorwärts in alle Richtungen. Hier gucken, da schauen, hierhin zeigen, darüber staunen.
“Entschuldigung, wo gehts denn hier zu den Ritterstuben”, krächzt ein Männlein mit erhobenem Gehstock. Die titanummantelte Spitze seines Traktierstocks kommt meinem Augapfel bedenklich nahe. “Ritterstuben, wo damals schon die Ritter gespeist haben. Da wollen wir hin. Wir sind nämlich der neue Adel.”
“Da lang”, zeige ich in die richtige Richtung. Hoffe ich. Denn ich werde hier noch ein paar Minuten stehen müssen. Und möglicherweise die Rückkehr vom Titanstockspitzen-Männlein und seinem Gefolge erleben müssen. Und ich grübele, ob meine Aussage wirklich stimmte. Was weiß denn ich, wo die Ritterstuben sind?
Wenig später, ich bin immer noch in Gedanken dabei den Stadtplan vor meinem glücklicherweise verschonten Auge scrollen zu lassen, höre ich Stimmen hinter mir. Eine Stimme. Der Krächzende!
“… und wohin kann man hier noch gehen”, will Titanlein von mir wissen. Die Ritterstube sei voll gewesen. Dass mir ein paar Reisebusse vor Erleichterung vom Herzen fallen, nimmt keiner wahr. “Wohin denn nun”. Männlein wird forsch. Die frisierten und parfümierten Begleiterinnen feiern ihn schon klar als Sieger.
“Was ist denn mit dem Cafe Prag? Kennse das? War schon damals angesagt. Ist ein Treffpunkt. Mit Mädels und so. Verstehnse? Mädels. Hihihi.” - “Klar auf jeden Fall: Da hinten und dann …” - “Wissen wir. Wir sind ja nicht ganz so blöd.” Männlein verschwindet mit seinem Anhang unter Gegacker und dem Geklacker seiner Gehilfe hinter der Ecke. Und ich frage mich die ganze Zeit, wo die versteckte Kamera gestanden haben könnte.

Wenig später, ähnlicher Ort, ähnliches Szenario. Gleicher Jahrgang.
“Entschuldigung, wo gehts denn hier zu den Ritterstuben”. Der mich fragt muß meinen, ich hätte die Frage nicht gehört. “Ri-tt-er-stu-ben”, wiederholt er. Ich starre ihn vermutlich immer noch an während ich mir überlege, wie man am besten eine versteckte Kamera erkennen könne. Und wen ich hinter dieser Aktion vermuten würde. R. aus G.? Ganz sicher. Und M. aus S.? Der ganz bestimmt auch. Und auch T. und T. und S. und K. würde ich das zutrauen.
“Sie sind wohl nicht von hier?” - ich reagiere endlich, schüttele den Kopf und gebe ein “neee” zurück. Ich beeile mich, zu verstehen, das es hier keine Kameras gab.


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Kommentare ( 2 )

Ja, solche gibts jetzt wieder überall. Wobei ich die Einzelfrager bzw. Paare den Grüppchen und Gruppen auch vorziehe. Übrigens ein Grund warum ich mich auf meinem Weg an der Tourist-Info hier in Wismar vorbei immer mal wieder mit Stadtplanblättern vom Abreissblock (die gibts da nämlich gratis) versorge. Die bekommt der Frager dann in die Hand gedrückt …

A. Buck schrieb am Jun 23 09 um 22:28

Hatte ich eigentlich schon erzählt, wie mich kürzlich jemand fragte: “Wo ist hier der Puff? Wissen Sie?”… :-)

Putzlowitsch schrieb am Jun 23 09 um 22:48

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