© 2009 ivalo Wiese des 21. Jahrhunderts

BUGA-Tagebuch, Eintrag 2

Auf der Buga blüht jetzt der Sommer.

Es ist Samstag, später Nachmittag. Am Haupteingangsbereich sind alle die versammelt, die Ihr Tagwerk an Blumenschauen schon vollbracht haben. Das sind einige! Sie sitzen auf Bänken, stöbern in der Sanddornschnapsauslage und strömen Richtung Busparkplatz. Dort laufen die Motoren schon warm oder die Klimaanlagen schon kalt für die Rückfahrt nach Castrop-Rauxel, Neustrelitz oder Gotha. Die Luft ist erfüllt von Franzbranntwein und Kölnisch Wasser.

Ruhe nach dem Sturm

Ruhe nach dem Sturm

Ich bahne mir meinen Weg, mühevoll. Menschen in Gruppen kennen keinen Gegenverkehr. An der Kaskade (dieses prächtige, opulente, farbenfrohe Beet in der Sichtachse vom Schloss zum Petermännchenstadtrundfahrtlieblingsparkplatz in der Johannes-Stelling-Straße) ist das Gröbste überstanden. Keine Knipser anstoßen, selbst auch mal Knipsen, den Wurzeltrollen an den Zedern „Hallo“ sagen und in die Birkenallee einbiegen. Puh! Ruhe! Hier hat sich die Menschenmenge verlaufen. Direkt aus dem Basar von Basra (nur des Wortspiels wegen) ins Mecklenburgische Naturidyll. Puh! Ruhe!

Liebespaare räkeln sich auf den runde Liegematratzen auf der Amalienwiese, kleine Blässhuhnküken watscheln Mama hinterher und plumpsen vom Seerosenblatt.

Ein Eis? Och nö, Kuchen? Nö. Alster! Ah!

Sitzen, Blumengucken, Blumenangucker gucken.

Walking Heads

Walking Heads

Menschen laufen hinter üppig rosa-rot bepflanzten Blumenkästen entlang. Nur ihre Köpfe sind zu sehen. Wie die Schatten in Platons Höhle. Was, wenn wir alle bloß riesige Blumenkästen anschauen und biertrinkende Außerhöhlische uns dabei zusehen?

Ist mir jetzt zu anstrengend weiterzudenken. Ich proste lieber Steefi zu, die gegenüber Gläser und Kaffeetassen austeilt.

Ich gehe über die schwimmende Brücke. Höre, wie Menschen diese Brücke für ein Paradies für Angler halten und finde tatsächlich einen Schwarm erdnussgroßer Fische. Rösten wäre angemessen. Eine Angelrute übertrieben.

Vernetzte Gärten

Vernetzte Gärten

Auf der anderen Seite bestaune ich noch mal die mit transparentem gelbem Stoff umspannten Themengärten. Die sind teilweise sehr gelungen, eigene kleine Biotope für sich. So einen japanischen Garten, oder der Froschgarten, ja! Da kommt der Balkontomatengärtner in mir doch ins Schwärmen. Einen Betongarten würde ich persönlich mir allerdings nicht anlegen. Hier gilt für mich aber das Toleranzprinzip: sollen die Betongärtner doch auch ihre Präsentationsfläche bekommen.

Zu den Rosen gehe ich nicht mehr. Die hatte ich mir eigentlich für heute vorgenommen. Die sollen gerade so schön blühen, jetzt da die Tulpenpracht dahin ist.

Lieber gehe ich zurück über die Brücke und besuche den Kohlrabi im Küchengarten. Ich wäre auch eher ein Küchengärtner, als ein Rosengärtner. Schön ist zwar schön, aber Ernten und Essen ist was Handfestes. Birnen, Früchte, Kräuter, Salat. Da lacht das Vegetarierherz.

Blume zum Salat

Blume zum Salat

Weinen tat es eher bei den kleinen wuschligen Wachteln. Hinten auf dem Bauernhof. So süß! Da schlüpfen sie gerade aus dem Ei, im Nachbarglaskasten liegen sie gerade ein paar Stunden alt im Stroh und stolpern plump übereinander, da sind sie schon zwei Wochen alt. Ja und dann? Ich habe eine Ahnung!

Wie schillernd Gräser sind! Auf der Burgseeinsel sind sie farbig sortiert und kombiniert zu einer beeindruckenden Landschaft gestaltet.

Wiese des 21. Jahrhunderts

Wiese des 21. Jahrhunderts

Überhaupt beeindruckend. Da wächst und gedeiht es, dort verblüht und vergeht es. Der Lauf der Welt eben. Aber schwupps, beim nächsten Besuch ist wieder ganz Neues am Blühen. Und wieder so farbig und üppig und elegant wie einst die Tulpen. Da müssen Hunderte fleißige Gärtner und Landschaftspfleger am Werk sein, abends, nachts, wenn alle Besucher wieder in Stralsund oder Gotha oder in der Goethestraße sind.

2 Comments

  1. Posted 9. Juli 2009 at 23:00 | #

    Sehr guter Artikel! Hab mich prächtig amüsiert. Mehr davon! Ich wollte ja eigentlich auch mal über meinen Buga-Besuch schreiben…

  2. emes
    Posted 13. Juli 2009 at 14:27 | #

    Und wie gut, dass der BUND eine Broschüre veröffentlicht hat, in der drin steht auf wessen Kosten wir alle über die BUGA wandeln können. Ein kurzes Vergnügen für uns – ein langfristiger Schaden für die Natur. “Der Mensch zertört das, was er sucht, wenn er es findet.”, sagte am Freitag ein Ranger auf Rügen zu mir. Ja, Recht hat er. Und das mit der Karausche, das nehme ich wirklich übel – denn es war einer meiner ausgemachten Schweriner Lieblingsplätze. Den Weg zur Broschüre (Verbranntes Geld – Zerstörte Natur) gibt es hier: http://www.bund-mecklenburg-vorpommern.de/startseite/themen_und_projekte/bundesgartenschau_2009/der_buga_fuehrer_des_bund/

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